Someone To Watch Over Me

ohkay1926 hat das Musical “Oh, Kay!” am New Yorker Broadway Premiere. Die Musik hat George Gershwin geschrieben, die Liedtexte sein Bruder Ira. Das Musical erlebte 256 Aufführungen, was so mittel erfolgreich ist. Kein Wunder: Die Rahmenhandlung von Guy Bolton und Pelman G. Wodehouse ist banal, und das Musical ist zu Recht in Vergessenheit geraten.

Bis auf einen Song, der sich in Kürze zu einem Standard gemausert hat und heute aus dem Great American Songbook nicht mehr wegzudenken ist: Someone to watch over me.

Der Text vermittelt das Frauenbild jener Tage in beispielhafter Weise: Hilfloses weibliches Wesen, gespielt von Gertrude Lawrence, sehnt sich nach starkem männlichen Beschützer, eben jemanden, der auf sie aufpasst. Die zweite Strophe lautet:
I’m a little lamb who’s lost in the wood
I know I could
always be good
to one who watches over me

Da verspricht das kleine Schäfchen also, auch immer schön brav zu sein gegenüber ihrem Beschützer. Bin ich der einzige, der die Ironie in diesen Zeilen hört? Ich werde schön brav sein, wenn sich der Beschützer dereinst einstellt – und wenn nicht?

Im Musical übrigens kriegt sie ihn nicht.

George Gershwin wollte die Musik ursprünglich in einem flotten Uptempo-Beat setzen – etwas, was der Charleston-Epoche sicher ausgezeichnet entsprochen – und die Sehnsucht der Textzeilen gekonnt paraphrasiert hätte. Ira aber überzeugte ihn, eine sehnsüchtige Ballade zu schreiben. Glücklicherweise. Das Lied funktioniert nur, wenn langsam gesungen, ein paar wenige Beats per Minute können den Effekt des Songs total verändern.

Hörproben

Renée Olstead: Die perfekte Version, sinfonisch instrumentiert und voller Sehnsucht. Tempo stimmt genau. Einziger Wermutstropfen in diesem Blick: Der permanente Blick der Sängerin in die Kamera.

Julie Andrews im Film “Star!”, der das Leben von Gertrude Lawrence nacherzählt. Danke, meine Göttin!

Amy Winehouse: Meiner Meinung nach zu flott, aber mit den einleitenden Zeilen aus “Star!”, die nicht oft zu hören sind. Dennoch absolut hörenswert: Ein Demorecording, das erst post mortem auf der “Frank” Deluxe Edition erschienen ist und zeigt, dass die viel zu früh verstorbene Sängerin mit Billie Holiday mehr teilt als nur das Schicksal.

Und hier noch eine Version zum Ablöschen, etwas, das einfach nicht geht, viel zu schnell und natürlich mit klebrigem Saxophonsolo: Rod Stewart

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